07/2012 - Innenansichten - Ing-Büro Hufnagel

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Geplünderte Konten

Ing-Büro Hufnagel
Herausgegeben von in Finanzen ·
In der letzten Zeit ist dieser Begriff vielfach zu hören: Die Banken/Regierungen fürchten, dass die Bürger ihre Bankkonten plündern, in Griechenland, Irland usw. ist dieser Vorgang bereits massiv in Gang gekommen.

Man hört diesen Begriff” Bankkonten geplündert” und man merkt nur selten auf. Dabei ist diese Aussage etwas seltsam. Wem gehört denn das Geld auf diesen Konten? Sind es nicht die Besitzer dieses Geldes und dieser Konten. Wie kann man sich selbst plündern? Man kann es nicht. Es gibt keine Pflicht, sein Geld auf dem Bankkonto zu behalten und es gibt auch keine Straftat, wenn man sein eigenes Geld von der Bank holt.

Wie kommt man aber dann auf diese Formulierung, die diesen Vorgang wie eine Straftat, zumindest als unsoziales Verhalten darstellt?

Wenn man etwas nachdenkt und die Sachverhalte ansieht, wird offensichtlich, dass mit dem “plündern” des eigenen Konto´s ein Problem offenkundig wird. Die Banken haben das Geld der Kunden genommen und dieses Geld weiter verliehen für Zinsen. Die erwirtschafteten Zinsen werden zum Teil den Bürgern wieder gut geschrieben, sind aber vornehmlich der Gewinn der Bank. Das Problem ist aber das Mißverhältnis. Die Banken verleihen nicht in der Höhe der Geldeinlagen der Sparer, sondern geben Kredite in derart großem Umfang, so dass die Geldeinlagen meist nur 4-10% des geliehenen Geldes darstellen. Wenn also Bürger ihr Geld vom Konto abheben, führt das zu einem drastischen Problem der Banken. Zum einen wird infolge des Kapitalschwunds die Eigenkapitalbasis gemindert (auch hier die Frage: Wessen Eigenkapital ist denn das?  Wie kann man die anvertrauten Gelder der Sparer als “Eigenkapital” bezeichnen?) Damit kommt die Bank schnell in Probleme, weil die gesetzlichen Mindestquoten unterschritten werden und dies gravierende Folgen hat.

Zum anderen muss die Bank ihre Kreditvergabe reduzieren, muss Kredite fällig stellen und das Geld von den Schuldnern einfordern. Da aber viele Kredite gerade in den Krisenländern nicht einforderbar sind, offenbart dies noch viel mehr die prekäre Lage der Banken.

Wenn die Bürger also ihre “Bankkonten plündern”  offenbart das vielmehr, dass diese Bankkonten längst leer sind. Die Bank hat die ihnen anvertrauten Gelder längst anderweitig benutzt und weg gegeben. Die Bankkonten sind längst leer und nur noch eine kleine Summe der Mindesteinlage ist noch vorhanden, welche ausreicht für die täglichen Bankgeschäfte, niemals aber für die Deckung der Forderung, wenn Kunden ihr Bankkonto plündern.

Solange die Wirtschaft läuft und alles ohne Krisen funktioniert, ist das Bankensystem sicherlich eine gute Sache. Wenn aber die Situation wie jetzt deutlich wird, nicht mehr sicher ist, die Krise unübersehbar sich abzeichnet und selbst die Billionen der Rettungsmaßnahmen und -schirme nicht helfen, was dann?

Möglichkeit 1: Die Bürger stürmen die Banken und holen ihr Geld. Damit ist die Bank pleite und die meisten werden ihr Geld wohl nie erhalten.

Möglichkeit 2: Die Bürger belassen ihr Geld auf der Bank. Jedoch wird die Krise irgendwann soweit sich aufschaukeln, dass die Bank wieder pleite ist, weil sie zu viele Kredite gegeben hat, die geplatzt sind. Das Geld der Sparer ist längst weg.

Aber selbst dann, wenn die Bürger ihr Geld von der Bank geholt haben und daheim horten, nützt dies wohl wenig. Grund ist, dass das Geld zwar dem Bürger gehört, der Geldwert aber vom Staat bestimmt wird. Wie in Argentinien kann er die Konten und Geldwerte drastisch heruntersetzen und dann ist jeder, egal ob er sein Geld auf dem Konto oder unter der Matraze hat, erheblich ärmer als vorher.

Da heute mit dem Steuergeld der Bürger diese Banken mit Billionen zu fast 0% Zins (als Geschäftsmann sehe man mal an, welchen Zins jede Kontoüberziehung oder der Kontokorrent hat) ohnehin gefördert werden, dennoch keine Stablilisierung der Krise sich abzeichnet, ist, egal ob man nun das Geld auf der Bank oder unter dem Bett hat, der Wert des Geldes ohnehin extrem gefährdet. Dies gilt aber nicht nur für die Konten, sondern auch für Rentenansprüche, Lebensversicherungen und sonstigen Geldvermögen.  Hier aber hat man keine Möglichkeit, selbst etwas zu tun, weil man schlicht keinen Zugriff auf diese Gelder hat bzw. nur sehr eingeschränkt.

Daher bleibt nur die etwas bittre Erkenntnis, dass die Konten und Gelder längst eigentlich schon geplündert sind. Der Wert, den man dachte, dass man besitzt, ist nur ein virtueller. Tatsächlich ist der Wert wesentlich geringer und wird über kurz oder lang auch diesen Wert erreichen. Jede Papiergeldwährung kehrte irgendwann zu ihrem Ausgangspunkt, dem Wert des bedruckten Papiers zurück. Selbst der Dollar besitzt heute nur noch ca. 1% des Wertes von vor ca. 100 Jahren. Es ist daher unvermeidbar und als sicher anzunehmen, dass die heute so gültigen Papiergeldwährungen nieder gehen und die damit verbundenen Werte sich entsprechend auflösen. Offen ist, ob dies ein langsamer Prozess sein wird oder in einem heftigen Chaos erfolgen wird. Da im Gegensatz zu früheren Währungskrisen heute nicht lokale Bereiche und Länder betroffen sind, sondern Euro, Dollar, Pfund, Yen und Yuan gleichermaßen betroffen sind, ist ein großes, fast weltweites Chaos realistischer als ein geordneter Übergang. Auch die anderen Problem der Überbevölkerung, Abhängigkeit von Transportstrukturen, Energieabhängigkeit, Rohstoffversorgung …. sind in einem Währungschaos nicht kleiner.

Es lohnt sich daher für jeden ganz persönlich, sich dem zu stellen und die Antworten für ihn persönlich im Falle eines solchen Chaos zu finden. Es geht im Kern nicht darum, reicher zu werden, oder seinen Reichtum in jener Zeit zu behalten, sondern primär, sich und seine Familie möglichst unbeschadet durch diese Krise zu bringen.



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