Brandschutz - eine bürokratische Forderung? - Ing-Büro Hufnagel

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Brandschutz-Planung
Brandschutzplanung - eine bürokratische Forderung?

Häufig begegnen auf die Frage nach dem Brandschutz vielen Bauwilligen oder Baubeteiligten einem Brandschutzplaner mit etwas Skepsis. Will da jemand noch ein Zusatzhonorar generieren? Ist das notwendig? Früher hat man das doch gar nicht gebraucht? Macht das nicht der Planer bei der Baueingabe einfach so mit?

Klar, früher hat man das nicht so intensiv gemacht. Man nahm aber auch mehr Risiken in Kauf, als es heute der Fall ist. Auch ist das Bauen früher einfacher und die Nutzung weniger komplex gewesen. Allein der Zuwachs an Haustechnik und die Vielfalt der Baumaterialien ist gegenüber früher deutlich mehr geworden. Man kann aber auch sehen, dass der Brandschutz sich entwickelt hat. So wie früher dem Wärmeschutz kaum groß Beachtung geschenkt wurde, ist das Thema heute wesentlich komplizierter und daher keine Sache mehr, die man mal nebenbei von einem Planer erledigen kann. Um das etwas klarer zu machen, sollen nachfolgende Beispiele von Ereignissen das verdeutlichen.

Brand Flughafen Düsseldorf  www.duesseldorf.de/feuerwehr/pdf/alle/flughbrand.pdf
Dieser Brand 1986 hat die Brandschutzwelt nachhaltig verändert. Einfache Arbeiten vor dem Flughafen führten durch eine Verquickung von Baufehlern, Planungsfehlern und Lücken in den Vorschriften zum Tod von 17 Menschen, vielen Verletzten und einem riesigen Schaden. Auch wenn die Gewährleistungsfristen nach VOB und BGB längst abgelaufen waren, sind die Beteiligten dennoch vor Gericht und in Haftung dafür. Grund ist hierfür der Tod vieler Menschen, die Verletzung und Gefährdung noch mehrer. Es genügt allein die Gefährdung, dass der Staatsanwalt einschreitet. Stellt sich hierbei ein Verstoß gegen geltende Gesetze und Regeln heraus, ist man im Sinne des Gesetzes schuldig und verantwortlich. Das ist natürlich im Detail erst im Verfahren vor Gericht zu klären. Jedoch zeigt dieses Beispiel, wie eine kleine Ursache ein riesiges Problem und für viele langwierige Prozesse nach sich zog.

Brand einer Vollwärmedämmung  http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,800017,00.html
Bei diesem Brand in Berlin ist bei einem Wohnungsbrand die gesamte Fassadendämmung in Brand geraten und hat viele weitere Wohnungen ebenfalls in Brand gesetzt. Ob es hier ein Mangel der Dämmung war (statt schwer entflammbar leicht entzündliches Material, was nicht zulässig ist) oder ein bislang verkanntes Problem, wird sich zeigen. Diese Fassade ist inzwischen mit einer Trockensprinkleranlage versehen worden!

Brand von Schuppen
Nach Baurecht darf man Garagen, Gartenschuppen bis zu einer gewissen Länge an der Grenze errichten. Da das für beide Grundstücke gilt, ist es naheliegend, dass beide Nachbarn dann in bester Nachbarschaft so die Lücke zwischen ihren Gebäuden füllen. Dort lagert man dann Ofenholz, baut sich eine Werkstatt ein oder eine schöne Gartenlaube. Jedoch, was ist, wenn der Kühlschrank einen Brand auslöst? Der Schuppen des einen Nachbarn fängt Feuer und brennt massiv. Das Feuer breitet sich auf das angrenzende Wohnhaus aus und dieses steht kurze Zeit später in Flammen da. Das Feuer breitet sich aber auch zur anderen Seite hin aus. Der Gartenschuppen des Nachbarn fängt analog feuer und setzt auch das Wohnhaus des Nachbarn in Flammen. Das nette Nachbarschaftsverhältnis wird aber dann jäh gestört, als dieser Brand rechtlich aufgearbeitet wird. Der Nachbar (rechts), bei dem der Kühlschrank den Brand auslöste, erhält von seiner Versicherung den Schaden voll ersetzt. Der andere Nachbar aber geht völlig leer aus. Die Versicherung zahlt nicht, weil die erforderliche Abtrennung zwischen den beiden Schuppen nicht existierte. Diese Brandmauer hätte nach Bauvorschrift vorhanden sein müssen und daher erhält der linke Nachbar kein Geld, zumindest bis solang, da der Prozess wohl noch verhandelt wird.

Trennwand von Reihenhäusern
Man kennt die Ketten von kleinen Häuschen, 6-8m meist nur breit. Heute baut man diese Häuser sauber mit Fuge und Dämmung getrennt. Klar sind die Fugen in der Fassade zu sehen, auch die Fallrohre und Dachrinnen sind fein getrennt. Doch was ist mit dem Dach? Meist sieht man schon optisch die meist in Holz erstellten Gesimsbretter durchlaufen. Die Dachlatten sind auch über die Brandwand geführt. Die Pfetten des Daches sind auch mit Aussparung auf der Trennwand aufgelegt und die Holzteile sind zum Nachbarn nur durch einige Zentimeter Dämmung getrennt. Falls es in einem Haus zum Brand kommt, ist die Brandwand im Dachbereich überbrückt und der Dachbrand setzt sich ungehindert zum Nachbarn fort.

Firmenwagen in Betriebsgebäude
Nicht selten werden in Werkstätten und Betriebsgebäude über das Wochenende oder über Nacht die Fahrzeuge untergestellt. Man will ja nicht im Winter in die eiskalten Fahrzeuge steigen. Auch das teuere Material und Werkzeug außerhalb ist nicht gut sicher. Es liegt also diese Nutzung der Betriebsgebäude als Garagen nahe und ist vielfach verbreitet. Doch was ist, wenn eines dieser Fahrzeuge in Brand gerät und das gesamte Gebäude hierbei abfackelt? Ist die Nutzung des Betriebsgebäudes als Garage genehmigt und angemeldet worden? Falls das nicht so ist, kann es sein, dass die Versicherung jegliche Regulierung des Gebäudeschadens mit guten Gründen verweigert. Es liegt hier eine ungenehmigte und unzulässige Nutzung als Garage vor. Garagen sind nach GaStellV genau geregelt und die Betriebsgebäude sind dafür nicht geeignet.

Der kleine Dachausbau
Die meisten Einfamilienhäuser haben Dachböden oder Spitzböden, die aufgrund der Größe und Zugänglichkeit ausgebaut werden können. Dieser Ausbau ist nach BayBO Art. 57 10. sogar genehmigungsfrei. Doch wie sieht es mit den Fluchtwegen innerhalb des Spitzbodens aus? Der Spitzboden ist meist über 7m Fußboden über dem Gelände und damit nur mit Drehleiter anzufahren von der Feuerwehr. Diese aber gibt es meist nur im Umfeld einer Stadt, nicht auf dem Land. Ist das Dachflächenfenster als Rettungsweg geeignet, d.h. hat es die Mindestgröße (in Bayern 60x100, sonst 90x120, die Bayern sind halt wohl etwas kleiner als die anderen?)
Was passiert, wenn es im Geschoss darunter nachts brennt? Der Weg aus dem Haus über die Treppe ist dann meist nicht mehr nutzbar und man kann nur noch auf das Dach. Doch, wenn das nicht anleiterbar wird, ist es für diese Erkenntnis meist zu spät.

Man kann hier noch viele weitere Details aufführen, welche zeigen, wie sehr die Gefahren unterschätzt werden. Daher lohnt es sich einmal auch klar zu machen, was denn wirklich die Gefahr ist:
Wie schnell brennt es?

Ein Kopierer in einem Büro braucht nur etwa 3-5 Minuten, ein komplettes Büro zu verrauchen. Steht er im Flur (also dem Fluchtweg), ist es für eine Flucht meist wegen dem Rauch schon zu spät, wenn man merkt, dass da etwas brennt. Feuer kann sich extrem schnell ausbreiten. Auch Brandversuche mit Möbeln und einer kleinen Flamme zeigen, dass es nur Minuten dauert, bis kein Mensch mehr sich in diesem Raum aufhalten könnte.

Der Brandrauch ist extrem giftig. Es genügen 2-3 Atemzüge, um bewusstlos zu werden und dann ist man im Brand verloren. Spätere Schädigungen infolge der Rauchgase oder Vergiftungen sind weitere Risiken. Die meisten Personen kommen infolge von Rauchgasvergiftungen ums Leben oder werden verletzt. Nur der geringere Teil wird direkt durch Feuerwirkung verletzt oder getötet. Rauch ist das Hauptproblem für die Flucht. Es blockiert die Rettungswege, wenn diese nicht abgeschlossen sind. Man verliert im Rauch die Orientierung und gerät in Panik. Bei dem Brand in Düsseldorf sind die Menschen im Rauch gestorben, keiner durch Feuer.

Brandschutzkonzepte sind daher keine bürokratischen Auflagen oder etwas hinderliches, welches das Bauen oder die Gestaltung mindert. Brandschutzkonzepte und deren Umsetzung auf der Baustelle sind zentral wichtig, damit keine Menschen zu Schaden kommen. Die Bauordnungen sind von ihrer Entstehungsgeschichte immer aus Brandschutzordnungen entstanden und im Kern ist jede Bauordnung konzeptionell auf den Schutz der Menschen vor den Wirkungen des Feuers ausgerichtet.
Daher ist Brandschutzplanung zentral wichtig, sicher in den Gebäuden sich aufhalten zu können. Es ist daher immer im Interesse der Nutzer, Käufer, der Betreiber usw., dass die Anforderungen des Gesetzgebers erfüllt sind.

Hierbei ist zu bedenken -auch das eine Lehre der Brandereignisse der letzten Jahre- es nützt die beste Planung wenig, wenn man nicht kontrolliert, dass auch so ausgeführt wurde. Wenn die Brandschutztüren statt nach 90 Minuten bereits nach 15 Minuten aus der Wand fallen, dann ist das Konzept grundlegend gestört. Auch Änderungen in der Nutzung, Umbauten, fehlende Wartung bestehender Einrichtungen und sonstige Fahrlässigkeiten sind vielfach ursächlich für schlimme Brandereignisse gewesen.

Brandschutzplanung und die Kontrolle in der Ausführung sind daher wichtige Planungselemente und unerlässlich für ein ordnungsgemäßes und sicheres Bauen und Betreiben von Gebäuden.
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