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Gesamt-Planung
Ingenieur als Architekt?

Wenn ein  Ingenieur die Tätigkeit eines Architekten ausübt, ist nicht selten viel  Kritik zu hören. Daher möchte ich diese Punkte hier kurz ansprechen und  hoffe, so manches Mißverständnis auszuräumen.

Historisch gab es  früher weder einen Architekten noch einen Ingenieur, sondern beides  zusammen vereinte der Baumeister. Erst durch die technische  Weiterentwicklung trennten sich beide Funktionen. Der Architekt übernahm  den Part der Baugestaltung, der Ingenieur wurde auf den technischen  Teil reduziert. Der Architekt sollte als Schlüsselplaner für die anderen  Gewerke fungieren. Entsprechend ist der Schwerpunkt des  Architekturstudiums daher die Gestaltung und der Entwurf. Die  Fähigkeiten in der Werkplanung, Ausschreibung und Bauleitung muss sich  der Architekt meist erst in der Baupraxis erarbeiten. Im Studium des  Bauingenieurs sind der Bauentwurf und die Gestaltung nachrangig, hier  geht es vornehmlich um die technische Bauplanung. Letztlich aber  erarbeitet sich auch der Bauingenieur seinen Beruf durch die Tätigkeit,  d.h. nicht das Studium, sondern die Berufserfahrung und seine Tätigkeit  prägt und vermittelt das Können.

Im Baurecht ist daher der Architekt  (in der Architektenkammer eingetragener  Hochbauingenieur=Architekturstudium) gleichermaßen bauvorlageberechtigt  wie der entsprechend in der Ingenieurkammer gelistete Bauingenieur.  Der  Hauptunterschied ist daher, dass der Architekt in seiner Ausbildung  mehr über Gestaltung und Präsentation vermittelt wird, etwas, wo der  Bauingenieur schlicht Defizite hat.

Diesen Vorteil der Gestaltung  ist aber nur im Bereich des Entwurfs für den Architekten gegeben.  Bereits in der Werkplanung und noch viel mehr in der Ausschreibung bis  hin zur Bauleitung sind die technischen und persönlichen Fähigkeiten  entscheidend. Hier ist die technische Vorbildung des Ingenieurs  wesentlich. Ein Ingenieur mit guter Erfahrung in der gesamten  Baukonstruktion ist daher in den Details der Statik, des Wärmeschutzes,  der Haustechnik usw. hervorragend qualifiziert. Nicht selten sind daher  auch in Architekturbüro´s viele Bauleiter Bauingenieure. Betrachtet man  noch zusätzlich den Umstand, dass die meisten Bauprojekte aufgrund der  baulichen Gegebenheiten (Bebauungsplan, Erweiterungsbau, Vorstellung des  Bauherrn ...) schon vielfach vorgegeben und eingeschränkt sind, ist der  Vorteil des Architekten im Entwurf auch nicht mehr so groß. Setzt man  dann weiter in Relation, dass ein schlechter Entwurf hinsichtlich Statik  und Kosten sich auf alle weiteren Bereiche erstreckt, spricht vieles  für die Planungsleistung eines entsprechend qualifizierten Ingenieurs.

Auch  die Behauptung, dass Ingenieure keine "schönen" Häuser und Projekte  entwickeln, ist ein Märchen ("Was ein Architekt ohne Statiker plant,  fällt ein, was ein Statiker ohne Architekt plant, muss man einreißen").  Man sollte hier beachten, dass diese Bausünden der 70-ziger Jahre und  davor vornehmlich von Architekten geplant wurden, da die Bauingenieure  damals seltenst Bauentwürfe machten.
Da in der Baupraxis vornehmlich  alle Schlüsselpositionen der Auftragsvergabe und Bauverwaltung mit  Architekten besetzt sind, hat das zur Folge, dass jene Architekten sich  entsprechend die Aufträge und die geschlossene Gesellschaft sichern. Ich  halte dieses Klüngeln für nicht akzeptabel. Jedoch sind die  Entscheidungsträger in den Gremien nicht informiert und auch nicht  bereit, hier eine Änderung herbei zu führen.

Ich für meinen Teil  habe mich vor Jahren in vielen Einzelschritten dazu entschieden,  komplett auch die Architektur in mein Leistungsspektrum aufzunehmen.  Gründe hierfür sind vielfältig vorhanden gewesen:
  • Bei  der Planung und Umsetzung der Architektur in die Statik sind so viele  unsinnige Details und Lösungen erforderlich geworden, die mir  prinzipiell die Eignung vieler in der Planung fraglich erscheinen  ließen. 500 Seiten Statik für ein Einfamilienhaus mit 150qm können  einfach nicht für einen guten Entwurf sprechen.
  • Bei  der Erstellung der Planung im CAD sind Werk- und Schalpläne relativ  einfach und parallel zu erstellen. Es macht daher die Trennung in der  Planung letztlich die vielen Vorteile des CAD zunichte.
  • Viele  Architekten strichen sich hohe Honorare ein, ließen aber die  Tragwerksplaner schmal da stehen. In der Planung aber sollte der  Tragwerksplaner zuerst einmal die Problemstellen erarbeiten und dann  bekam man nach 4 Vorschlägen zur Lösung von Problemstellen irgendeine  Faxskizze, die dann als das Detail verkauft wurde. Die Werkpläne waren  oft nur vergrößerte Eingabepläne und die wesentlichen Baudetails waren  im Schalplan enthalten.
  • Die  Selbstdarstellung der Architekten führte dazu, dass die Fachplaner noch  nicht einmal beim Richtspruch oder bei der Prästentation des Objekt  erwähnt wurden. Es ging soweit, dass beim Richtfest der Statiker zu den  Bauhandwerkern gesetzt wurde (auf Bierbänke irgendwo zwischen der  unvollständigen Baustelle), derweilen der Architekt mit den Honorationen  in der Gaststätte dinierte.
  • Bei  vielen Baugutachten lag das Hauptproblem nicht an den Handwerkern,  sondern an einer völlig verpfuschten Planung und einem völligen  Unvermögen in technischen Details. Neben Bauträgern rangieren  Architekten auf den vorderen Plätzen der Ursachen von Bauschäden.
  • Bedingt  durch die Baukonjunkturkrise verbunden mit dem Umstand, dass für  etliche Jahre kaum noch Tragwerkplanung für Gebäude gemacht wurde (dank  der Regelungen der BayBO 1998) war es daher notwendig, sich neue  Tätigkeitsfelder zu erschließen.


 
Da ich mich auch  bei der Planung von Gebäuden immer als Ingenieur und nicht als Architekt  sehe, ich das Bauwerk viel weniger als Kunstwerk denn als Nutzobjekt  sehe, bevorzuge ich die Arbeitsaufteilung zwischen Architekt und  Bauingenieur in folgender Weise:

  • einfache  Bauobjekte und Gewerbeobjekte können Architekten und Ingenieure  gleichermaßen planen,. wobei der technische Ingenieur hier manchmal  Vorteile hat. Bei Objekten mit besonderer Gestaltung ist der Ingenieur  meist nicht ausreichend qualifiziert und der Architekt mit besonderer  Qualifikation im Entwurf sollte hier das Gebäude in guter Absprache mit  den Fachplanern entwerfen.
  • Bei  der Werkplanung und den weiteren Planungsleistungen ist es Sache des  Auftrags, ob ein Ingenieur- oder Architekturbüro diese Leistungen  erbringt. Falls wir hier beauftragt werden sind Synergieen in der  CAD-Planung sehr gut zu nutzen und auch viele Details im Kontext der  Fachplanung vorteilhaft zu entwickeln.
  • Für  die weitere Baugestaltung (Farben, Innenraumgestaltung) ist das  Hinzuziehen von Innenarchitekten sehr erwünscht. Mein Planungspart ist  hier die technische Durchführung des Entwurfs bis hin zur  Fertigstellung.
  • Wettbewerbe sind eine Domäne der Architekten und nicht mein Part.
  • Ebenso  sind für künstlerisch anspruchsvolle oder ausgefallene Projekte jeder  Art sicherlich Architekten mit ihrer speziellen Ausbildung und  Fähigkeiten in künstlerischer Hinsicht deutlich im Vorteil.

Es wäre wünschenswert, wenn diese Domäne der Architekten sich  aufbrechen würde. Es kann doch keiner sinnvoll erklären, dass ein  Architekt für eine Betonsanierung oder energetische Bauwerkssanierung  besser qualifiziert ist als ein Bauingenieur, der ständig in diesen  Dingen tätig ist. Die vielen Bauschäden, die hohen Baukosten usw.  sprechen auch dafür, dass hier ein Umdenken erfolgen sollte.
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